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Die wichtigste Frage

COVID-19 ist überall, also buchstäblich und sinnbildlich. Das Thema hat sich wie ein hartnäckiger Frühlingstau über die Welt gelegt. Alle Nachrichten, Blogs, YouTube Videos und alle Gespräche scheinen ausschließlich von dem mysteriösen Virus zu handeln. Die Diskrepanz zwischen den Nachrichten und dem Blick aus dem Fenster erstaunt mich immer wieder. Hier, im idyllischen Freibug, scheint die Welt für die meisten Menschen ohne große Veränderungen weiter zu laufen. Klar, der ein oder andere Faustkampf um die letze Klopapierrolle, aber sonst…

Im allgemeinen ist jedoch ein bestimmter Trend festzustellen: In Zeiten der Ungewissheit gravitieren die Gedanken der Menschen automatisch in Richtung dem Essentiellen. Lang aufgeschobene Telefonate werden geführt, Auseinandersetzungen vergessen und Gräben werden überbrückt. Der Alltag wird unterbrochen und Selbstverständliches wird zum Ungewissen.

Abgesehen von der weltlichen Ebene, der Frage nach der Versorgung unserer Familie und dem Wohlergehen unserer Freunde, gleiten die Gedanken automatisch in Richtung mehr metaphysischer Fragen.

Schon bevor COVID-19 die Welt, so wie wir sie kennen, ins Stocken brachte, hatte ich mir während einer meiner Spaziergänge mit meinem Sohn eine Frage gestellt, die sich im Angesicht dieser Pandemie und den gravierenden Veränderungen im Alltag verstärkt in den Vordergrund rückt.

Was wäre die wichtigste Frage, die ich in meinem Leben beantworten könnte, oder vielleicht sogar müsste? Welche Antwort auf welche Frage hätte den größten Einfluss darauf, wie ich mein Leben führen würde? Wie würde ich mich verändern, wenn ich alles daran setzten würde diese Frage zu beantworten? Für welche Frage würde es sich lohnen, jeden Tag nach der Antwort zu forschen?

Wir leben in einer privilegierten Zeit. Unsere Freiheiten und die relative Sorglosigkeit mit der wir unser Leben bestreiten, ist in der Geschichte der Welt beispiellos. So befreit von weltlichen Nöten, wie wir es seit den 1960er Jahren sind, war keine Generation vor uns.

Natürlich könnte man argumentieren, dass gerade die Schwierigkeiten oder das []Leiden der Menschen zum Nachdenken über das Essentielles führt.

Dieses Argument wird noch stärker, indem man die Statistiken über die Anzahl von Gläubigen Menschen und das scheinbar vollkommene Verschwinden eines moralischen Konsens anführt.

Diese Beobachtungen führen meines Erachtens aber nicht unweigerlich zu der Vorstellung, dass man in Not sein müsste, um sich intensive metaphysische Fragen zu stellen. (Es hilft aber manchmal…)

Vielmehr kann unsere privilegierte Situation eine Chance sein. Sich nämlich diese, bis tief in die Seele dringenden Fragen, ohne den lähmenden Zwang der Not zu stellen. Und damit sich selbst oder Gott zu beweisen, dass man bereit ist sich den essentiellen, metaphysischen Fragen entgegenzustellen und mit ihnen zu ringen. Es kann der Beweis für einen sich formenden Charakter sein, der versucht sich zu bessern und sich selbst zu verstehen. (das hoffe ich zumindest)

Vielleicht kann das der Gedanke der Woche sein: Was wäre die Frage, deren Antwort die meiste Auswirkung auf unser Leben hätte?

Ich habe bewusst die Fragen, die ich mir gestellt habe, weggelassen. Der Grund dafür ist, dass ich nicht die Gedanken der Leser mit meinen Gedanken trüben oder beeinflussen möchte.

Welche Fragen habt ihr euch gestellt?

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